Syriens Foltergefängnisse

Eine Verhaftung durch den Geheimdienst kann in Syrien einem Todesurteil gleichen. Wir haben drei Folteropfer gesprochen, die bereits in den 1980er Jahren inhaftiert waren und inzwischen in die Türkei geflohen sind.

Systematische Menschenrechtsverletzungen, Folter, Mord: Syriens Gefängnisse sind seit Jahren berüchtigt für die Grausamkeiten, die Insass:innen dort wiederfahren. Vor allem Oppositionelle müssen hier das Schlimmste befürchten, seitdem das Assad-Regime einen Krieg gegen das eigene Volk führt. Zu Beginn des Jahres hat das Oberlandesgericht Koblenz in einem international beachteten und bislang einmaligen Prozess einen syrischen Geheimdienstmitarbeiter wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

Durch die Fluchtbewegung infolge dieses Krieges sind in den vergangenen Jahren vermehrt Zeugenberichte aus diesen Foltergefängnissen dokumentiert. Das Europäisches Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (European Center for Constitutional and Human Rights, ECCHR) etwa sprach beim Militärgefängnis Saydnaya bei Aleppo von einem „Ort jahrzehntelanger Folter, Erniedrigung und Hinrichtungen“. Gemeisnam mit dem Recherchezentrum Forensic Architecture rekonstruierte Amnesty International eben jene Einrichtung basierend auf Zeug:innenaussagen.

Dass die Folter weit über den „arabischen Frühling“ beziehungsweise die Revolution 2011 in Syrien hinaus geht, haben wir im Zuge unserer Recherchen zur Situation geflüchteter Syrer:innen in der Türkei im Herbst 2021 ebenfalls bestätigt bekommen. Drei frühere Kommunisten erzählen an dieser Stelle, wie sie ihr politisches Engagement für ein freies Syrien bereits in den 1980er Jahren hinter Gitter brachte und was ihnen dort wiederfahren ist; damals noch unter Hafiz al-Assad, dem Vater des heutigen Diktators Baschar. Um ein interaktives Interview-Format zu ermöglichen, in dem ihr den Gesprächspartner und bestimmte Fragen selbst auswählen könnt, haben wir die Aussagen stilistisch angepasst.

Beitrag veröffentlicht am 10. Apr 2022

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